Creditum: Das auf Treu und Glauben Anvertraute
Früher ging Kredit anders. Denken Sie an Christoph Kolumbus. Er wusste nicht, wohin die Reise ging. Er wusste nicht, wo er war, als er dort war. Und als er zurückkam, wusste er nicht, wo er gewesen war - und das alles mit geborgtem Geld. Heute ist Kredit komplizierter und erfordert vielfach zusätzliche Ratgebung. Hierbei muss aber wirkliche Ergebnisoffenheit gegeben sein, nur so ergibt sich eine zweckmäßige Diskussion. Gepaart mit Fachwissen, Marktkenntnis und Produktunabhängigkeit präsentiert sich so eines der wichtigsten Beratungsschwerpunkte zeitgemäßer Honorarberatung: Konto und Kredit, häufig auch Finanzierungsberatung genannt.
Kindergarten
Der erste Berührungspunkt mit der Bankenwelt ist häufig die Kontoeröffnung bei einer örtlichen Bank. Genauso wie für das Kindergartenkind die Aussagen der betreuenden Kindergärtnerin formend sind, gilt dies auch für Handlungsweisen des kontoeröffnenden Instituts. Leitlinien für das lebenslange Finanzverhalten finden oftmals hier ihre erste Prägung. Abhängig von den handelnden Personen gelingt das manchmal eher schlecht, manchmal ziemlich gut, aber immer persönlich und intensiv. Dass zunehmend Erstkonten ohne persönlichen Kontakt und online eröffnet werden, ist modern, aber gefährlich. So wird nämlich der Eindruck erweckt, als sei alles so einfach und ohne Risiko. Die Beherrschung der Zugangsdaten des allgegenwärtigen Computers, scheinen das einzige Hindernis zu sein. Je nach Mentalität, unterschiedlich schnell, kommen nämlich die ersten Versuchungen des Konsumverhaltens, ob nun Online-Computerspiele oder das neueste Smartphone. Nicht umsonst ist gerade diese Altersgruppe besonders umworben, verfügt sie doch schon über nennenswerte Einnahmen, ohne große, belastende Ausgaben schultern zu müssen. Die große Leichtigkeit nimmt ihren Anfang.
Vorschule
Im realen Leben richten sich jungen Menschen bei immer weiter zunehmenden Freiheitsgraden auch außerhalb des Familienkreises häuslich ein, genau wie in der normalen Bankkundenkarriere. Sie schwimmen sich frei, werden unabhängiger. Auf dem Bankkonto gehen die ersten Einnahmen ein. Und natürlich ist überall das Internet zugegen. Alles wird verglichen und ausprobiert, wenn etwas schief läuft „holt man sich eben ein neues Leben“. Es wirkt alles so leicht, so sorglos, so ohne Konsequenzen. Natürlich geht das nur eine überschaubare Zeit gut. Und am Ende sind drei Millionen Haushalte überschuldet. Die Gründe sind bei 69 Prozent ein schlechtes Vorbild des Elternhauses.
Grundschule
Medien gaukeln vor, dass man sich schon früh vieles leisten kann. RTL und Facebook entlarven die altbackenen Ratschläge der Älteren: Sparen ist out, lieber gleich eine Immobilie kaufen. Los geht’s. Jahrelang hat man weitgehend unbemerkt das Gehaltskonto bei seiner Bank geführt. Und mit einem Mal wird man wichtig (besser: lukrativ), ein Gesprächstermin mit einem Baufinanzierungsberater wird vereinbart. Dort werden die sinnvollen Kreditbausteine erklärt, eine ordentliche Finanzierungsberatung geleistet. Aber ein beidseitig wirklich ergebnisoffener Gedankenaustausch, eine langfristige, lebensplanerische Betrachtungsweise? Der Bankberater lehnt nur dann Kreditwünsche ab, wenn die eigenen Richtlinien oder „seine Kreditabteilung“ das vorschreiben. Das komplexe Kundenumfeld wirklich zu durchdringen, Berater und nicht Verkäufer zu sein, unterbleibt vielfach. Dabei geht es hierbei nicht nur um eine Finanzierungsentscheidung, sondern um Vermögensplanung, Altersvorsorge und die vermutlich wichtigste Wirtschaftsentscheidung des Lebens. Und die sollte von erfahrenen, völlig unabhängigen Beratern begleitet werden. Wirklichkeitsnähe statt Leichtigkeit, Unabhängigkeit statt Produktverkauf.
Computerkurs
Auf den ersten Blick völlig problemlos, in Wahrheit aber problembeladen sind Baufinanzierungen über Online-Portale. Es ist kein persönlicher Kontakt notwendig, einzig kredittechnische wichtige Daten werden abgefragt. Der Wohnort, die Einkommensdaten und die Eigenmittelquote sind entscheidungsrelevant; berufliche Perspektiven, gesundheitliche Sorgen oder ein stark ausgeprägter Kinderwunsch dagegen nebensächlich. Ein Interessent sollte dabei nicht zu sehr der Geiz-ist-geil-Mentalität folgen, sondern auf eine ausgewogene, solide und vor allem flexible Finanzierungsstruktur achten. Baufinanzierungen sind margenträchtig, daher wird oft bis zur Schmerzgrenze nachgebessert: Tilgung auf später verschoben, optisch günstige Bausparkonzepte, eine Prise Bauriester, alles, um eine vordergründig günstigere Monatsrate als die Mitbewerber zu haben. Als unabhängiger, langfristig denkender Berater wird man bei derartigen Handlungsweisen mindestens schwermütig, vielleicht sogar depressiv.
Orientierungsstufe
Berufliche Veränderungen, möglicherweise sogar Arbeitslosigkeit führen vielfach zu Engpässen, die einträchtig mit dem Kreditinstitut geklärt werden sollten. Die Unsitte der anonymen Hotlines ist aber auch dort angekommen. Es fehlen feste Gesprächspartner, die mit derartigen Situationen konstruktiv und verständlich umgehen. Kommunikation reduziert sich auf maschinelle Schreiben, dabei werden Versteher und Erklärer gebraucht. Die würden sich auch schon in Niedrigzinsphasen strategisch den Zinssatz für die nächste Kreditverlängerung sichern (Forward-Darlehen). Der normale Bankkunde ist schlicht überfordert. Nicht nur im Klassenraum muss regelmäßig Ordnung hergestellt werden, sondern auch bei den eigenen Finanzen: Zunächst ein Generalcheck der finanziellen Verhältnisse, darauf aufbauend dann möglichst eine wirtschaftlichen Lebensplanung (Finanzplanung) - anstatt einfach leichtfertig so weiterzumachen.
Gymnasium
Der Wunsch nach verbreiterten Vermögensstrukturen führt oftmals zum Erwerb finanzierter Kapitalanlagen (u.a. fremdvermietete Immobilie), mit allerdings erheblichen Anforderungen an das Kommunikationstalent. Gilt es doch, die nunmehr schon reifen finanziellen Verhältnisse systematisch aufzuarbeiten und in einer geschickten Form vorzutragen. Nicht geschönt, aber wohldosiert aufbereitet. Die völlig eigenständige Banksprache, mit fremdartigen Bewertungen, gilt es zu beherrschen. Hinzu kommt in dieser Phase häufig auch eine, auf dem verbesserten finanziellen Fundament aufbauende Ausgabenmentalität, die nicht mit den Einnahmen korrespondiert. Dies kann eine gewisse Zeit durch Ausdehnung der Überziehungslinie organisiert werden, führt aber auf Sicht zu bedeutenden Problemen, für die man professionelle Unterstützung braucht: Die vermeintliche Unbeschwertheit ist in der harten Lebenswahrheit angekommen.
Berufsausbildung
Als weitsichtiger Existenzgründer lässt man die eigene Einschätzung der Machbarkeit seines Vorhabens auch von Beratern kritisch überprüfen. Diese sollten im Idealfall völlig ergebnisoffen sein, d. h. auch einen Hinweis, dieses Vorhaben komplett zu unterlassen, muss akzeptabel sein. Bei der optimalen Zusammenstellung der öffentlichen Programme kann die Hausbank sehr hilfreich sein, ansonsten sind aber unabhängige, unternehmensberatende Fähigkeiten unerlässlich. Erst recht, wenn in den Folgejahren Liquiditätsengpässe auftreten oder Investitionsentscheidungen anstehen. Mögliche Lösung: Die echte Honorarberatung als Wissensdienstleistung, bei der der Kunde in die Lage versetzt wird, Entscheidungen selbstständig zu treffen und zu verstehen.
Lebensphilosophie
Rund 400 Jahre nach Kolumbus hat Kaufmann Henry Sloman einen anderen Weg gewählt: Er wanderte in seiner Jugend mittellos nach Chile aus und kehrte erst im Alter von 60 Jahren, dann aber als reicher Mann, nach Hamburg zurück. Er baute ohne Kredit von 1922 bis 1924 das heute noch nahezu unveränderte Chilehaus aus 4,8 Mio. Ausschussklinkern, aus denen sonst Schweineställe gebaut worden wären. Das zukünftige Weltkulturerbe beweist auch heute noch tagaus, tagein eindrucksvoll, was mit durchdachtem und strukturiertem Vorgehen erreicht werden kann. Nicht zufällig hat auch ein Honorarberater dort sein Domizil, gilt doch auch für ihn: Viele, viele kleine unbedeutend wirkende Schritte in der Finanzierungsberatung führen erst zu einem befriedigenden Ganzen.





